Kinder kann man wegschmeißen

Vor ein paar Tagen saß ich mit einem 5-jährigen Mädchen am Tisch. Ich spielte mit 2 Kindern ein Spiel und das Mädchen puzzelte. Plötzlich sah sie auf und sagte zu mir: „Wenn man sagt: „Ich schmeiß dich raus.“, dann bedeutet das doch nicht, dass man ein Kind nimmt“ – sie machte eine Bewegung, als ob sie etwas Schweres hochheben würde – „und dass man es dann so“ – ihre Arme machten eine werfende Bewegung – „wegschmeißt, oder? Man schmeißt doch das Kind dann nicht wirklich weg. Man sagt das doch nur so. Eigentlich heisst es, dass man das Kind raus lässt. Man nimmt doch das Kind nicht und schmeißt es weg, stimmt´s?“ Ich blickte sie ernst an und bestätigte ihr, dass man das Kind nicht wegschmeißt, wenn jemand sagt „Ich schmeiß dich raus.“ Sie wiederholte dasselbe insgesamt dreimal und machte jedes Mal eine deutliche Bewegung des Hochhebens und Wegwerfens. Ich bestätigte ihr mehrmals, dass man mit „Ich schmeiß dich raus.“ nicht meint, ein Kind wegzuschmeißen.

Unser Gruppenleiter ist ungefähr 1,90 m groß. Es kann durchaus vorkommen, dass er sagt „Ich schmeiß euch gleich hier raus“, wenn es ihm z.B. in der Bauecke zu turbulent wird. Dieses kleine Mädchen sieht in ihrer Fantasie, wie dieser große Mann mit Leichtigkeit ein kleines Kind hochnimmt und wie einen vollen Müllsack wegschmeißt. Diese Vorstellung kann einen Erwachsenen gleichzeitig zum Lachen und zum Erschrecken bringen.
Dieses Mädchen lebt in einem geborgenen, sicheren und gebildeten Elternhaus. Sie wächst psychisch ziemlich gesund auf. Deswegen konnte sie erkennen, dass der Ausspruch „Ich schmeiß dich raus.“ nicht wörtlich zu nehmen ist. Sie war in der Lage, den letzten Rest an Unsicherheit bei einer Person in Worte zu fassen, bei der sie sich Klärung versprach. So verschaffte sie sich Sicherheit. Das hat sie sehr gut gemacht!

Auch diejenigen Kinder, die nicht so gut aufwachsen wie sie, werden sicherlich merken, dass der Ausspruch: „Ich schmeiß dich raus.“ nicht bedeutet, dass sie wie ein Müllsack weggeschmissen werden. Dennoch: Ich bin immer wieder verblüfft bis erschrocken, was wir Erwachsene mit unseren Worten auslösen und anrichten können. Ich finde, wir können das nicht ernst genug nehmen, wenn uns das Wohl unserer Kinder und ihre gesunde Entwicklung am Herzen liegt. Wir brauchen nicht perfekt zu sein. Aber lasst uns ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es absolut nicht egal ist, was wir vor den Ohren unserer Kinder aussprechen.

Ein Vers aus der Bibel drückt das sehr gut aus: „Die Zunge kann töten oder Leben spenden.“ Sprüche 18,21

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